PlenarvortragDr. Christoph Benn/Genf
Globale Herausforderung - globale Verantwortung. AIDS als Anfrage an die gerechte Allokation von Ressourcen

Seit den ersten Berichten über eine neue Immunschwächekrankheit im Jahre 1981 hat AIDS eine Sonderstellung unter den Krankheiten von globaler Bedeutung eingenommen mit grossen Auswirkungen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. Wie keine andere Krankheit zuvor hat AIDS eine weltweite Bewegung ausgelöst, die zu einer starken Beachtung in den Medien, und zur Gründung einer grossen Zahl von Nichtregierungsorganisationen sowie einer Sonderabteilung der Vereinten Nationen – UNAIDS – geführt hat. Als Folge davon stiegen die global zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel zur Vorbeugung und Behandlung von AIDS von USD 300 Millionen im Jahr 1996 auf etwa USD 10 Milliarden im Jahr 2007. Auf dem G8 Gipfel in Heiligendamm wurden weitere USD 60 Milliarden für die nächsten fünf Jahre in Aussicht gestellt. Entgegen den Erfahrungen auf anderen Politikfeldern stehen die Aussichten gut, dass diese Absichtserklärung auch tatsächlich eingelöst wird. Was ist die Ursache für diese bemerkenswerte Entwicklung und wie ist sie ethisch zu bewerten?
AIDS hat zu einer Art Paradigmenwechsel in der ethischen Begründung von global public health geführt. Bislang war public health geprägt gewesen von einer utilitaristischen Ethik, die auf einer strikten Kosten-Nutzen Rechnung beruhte. AIDS Advocates, wozu nicht nur Betroffene gehörten, sondern auch Politiker und sogenannte Celebrities, beriefen sich verstärkt auf eine Prinzipienethik. Die Prämisse war, dass jedes Leben gleich wertvoll sei unabhängig von den Kosten und dem Herkunftsland der Betroffenen. Diese führte zu einer starken Solidarisierung zwischen Betrofenen in wohlhabenden Ländern mit Betroffenen in Ländern, die keine eigenen Mittel für die Behandlung aufbringen konnten. Die Frage ist, ob dies ethisch die angemessene Antwort darstellt und welche Auswirkung dieser Paradigmenwechsel auf die internationale Gesundheitspolitik insgesamt haben wird.
Dr. Christoph Benn
ist Director of External Relations beim "The Global Fund to Fight AIDS, Tubercolosis and Malaria” in Genf
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Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Koslowski/Amsterdam
Die Ethische Ökonomie der gesundheitspolitischen und die Unternehmensethik der betrieblichen Bekämpfung von HIV/Aids

Die Ethische Ökonomie von AIDS betrifft die Synthesis von ethischen und ökonomischen Kriterien der moralischen Verallgemeinerbarkeit und der wirtschaftlichen Effizienz für die Beurteilung von Maßnahmen zur erfolgreichen Bekämpfung von AIDS durch das Gesundheitssystem. Die Unternehmensethik von AIDS beinhaltet die ethische und ökonomische Beurteilung von Maßnahmen, die Unternehmen zur Bekämpfung von AIDS ergreifen können.
Bei der Ethischen Ökonomie von AIDS können wir uns idealtypisch in die Rolle eines Gesundheitsministers oder "surgeon general" versetzen, der die ethisch und ökonomisch optimale Strategie gegen AIDS entwickeln muss. Er sieht sich der Notwendigkeit der Triage gegenüber. Da er mehrere epidemiologische Krankheiten bekämpfen muss, muss er eine Triage zwischen verschiedenen Krankheitsbekämpfungen vornehmen. Hier gilt, dass die Krankheit mit den höchsten Chancen der Bezwingung und den höchsten Heilungschancen der größten Zahl von Kranken ohne Rücksicht der Person oder des betroffenen Personenkreises zuerst bekämpft werden muss. Ob dies AIDS ist, ist zu erweisen. Erschwert wird die Triage durch die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Krankheiten und die internationale Dimension des Problems. Der Entscheider eines nationalen Gesundheitssystems sieht sich mit der unterschiedlichen Verteilung der AIDS-Epidemie in verschiedenen Ländern und deren unterschiedlichen Prioritäten konfrontiert.
Die Unternehmensethik des Wirtschaftsunternehmens gegenüber AIDS sieht sich Argumenten für und wider ein Engagement individueller Unternehmen gegen AIDS gegenüber. Einerseits können Unternehmen kosteneffizient und mit positiven Auswirkungen auf die Mitarbeitermoral AIDS bekämpfen, andererseits ist AIDS keine Berufskrankheit, die unmittelbar in die Verantwortung von Unternehmen fällt. Auch müssen Unternehmen beachten, nicht in die persönliche Sphäre ihrer Mitarbeiter durch Empfehlungen zu sicherem Sex und ähnlichem einzugreifen.
Der Beitrag stellt die gesundheitspolitische Ethische Ökonomie und die unternehmensethische Dimension der Wirtschaftsethik von AIDS dar.
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Koslowski
ist Professor für Philosophie an der Freien Universität Amsterdam
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Programm

Plenarvortrag
"Globale Herausforderung - globale Verantwortung. AIDS als Anfrage an die gerechte Allokation von Ressourcen"
Dr. Christoph Benn

Casino 823 - Festsaal
Fr, 20.06. 9:00-9:45 Uhr

Vortrag mit Podiumsdiskussion
"Die Ethische Ökonomie der gesundheitspolitischen und die Unternehmensethik der betrieblichen Bekämpfung von HIV/Aids"
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Koslowski

Moderation:
Dr. Michael Stolpe
Podium:
Dr. Christoph Benn; Stefan Hippler

Casino 823 - Festsaal
Fr, 20.06. 11:00-12:30 Uhr