Plenarvortrag Prof. Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler/Frankfurt am Main
" … ist dicker als Wasser". Religiös-kulturelle Deutungen von Blut
Das menschliche Blut ist Gegenstand vielschichtiger und hochgradig aufgeladener symbolischer Zuschreibungen. Man denke an Begriffe wie "Blutschande", "Blutrache" und Assoziationen von Leben bis Tod.
Die religionswissenschaftliche Perspektive vermag verbreitete Deutungsmuster und Umgangsweisen mit Blut aufzuzeigen, die häufig in religiösen Vorstellungen wurzeln und in zahlreiche kulturelle Kontexte übertragen werden. Immer berührt Blut existenziell. Dies wirkt sich unmittelbar auch auf die Wahrnehmung von AIDS sowie den Umgang mit AIDS-Patienten aus.
Der Einleitungsvortrag spürt den genannten Zusammenhängen nach und verfolgt verbreitete positive und negative Konnotationen von Blut in Religionen sowie deren Aktualisierungen und Übertragungen in kulturelle Kontexte: Beispielsweise wird ausgehend von der positiv konnotierten und mit "Reinheit" verbundenen Annahme des Blutes als Träger des Lebens dessen Vergießen im Opfer zu einer elementaren religiösen Form, das Blut ist ein Träger von "Heil". Soziale und religiöse Gemeinschaften definieren sich u.U. über eine reale oder fiktive die Blutsverwandtschaft und Vorstellungen wie der "Blutsbruderschaft". Gleichzeitig ist Blut ambivalent, als solches meist tabuisiert und weckt ebenfalls negative Assoziationen von Krankheit, Tod, Sexualität und Unreinheit. Verstöße gegen Gemeinschaften werden als "Blutschande" sanktioniert. Das Thema AIDS ist nicht von ungefähr besonders emotional besetzt, hier kumulieren Assoziationen zum Thema Blut, die auf eine lange religions- und kulturgeschichtliche Vergangenheit zurückblicken.
Prof. Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler
ist Professorin für Religionswissenschaft am Fachbereich Evangelische Theologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
Prof. Dr. Andreas Grünschloß/Göttingen
Ethische Normen und ritualisierte Verhaltensweisen im Umgang mit Blut

Der vertiefende Vortrag legt seinen Schwerpunkt auf religiös-ethische und ritualisierte Verhaltensweisen und Normen, die sich in Religionen und Kulturen im Umgang mit Blut entwickelt haben. Hierbei spiegeln sich die ambivalenten Deutungen des Blutes wider, und es werden die Zuordnungen zu rein und unrein sowie Konzeptionen von Körperlichkeit und Geschöpflichkeit virulent.
Prof. Dr. Andreas Grünschloß
ist Professor für Religionswissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen
Zur Website
Programm
Plenarvortrag
" … ist dicker als Wasser". Religiös-kulturelle Deutungen von Blut
Prof. Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler

Casino 823 - Festsaal
Do, 19.06. 15:00-15:45 Uhr

Vortrag mit Podiumsdiskussion
"Ethische Normen und ritualisierte Verhaltensweisen im Umgang mit Blut"
Prof. Dr. Andreas Grünschloß

Moderation:
PD Dr. Manuel Vogel
Podium:
Prof. Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler; N.N.

Casino 1.801
Do, 19.06. 17:00-18:30 Uhr